
Ich erinnere mich oft an meine Fahrschule zurück, mit den vielen theoretischen Fragen und den vielen Fahrstunden. Macht man nur wenige Fehler bei der Führerscheinprüfung fällt man durch und muss erneut Fahrstunden nehmen. Wie glücklich war ich, als ich den Lappen in der Hand hatte und endlich Autofahren durfte. Das alles spielt in Thailand keine Rolle.
Autofahren in Thailand ist ein Kapitel für sich, wo es sich lohnt, einen etwas längeren Beitrag zu schreiben. Wer jetzt denkt, ich habe doch einen Führerschein, was ist schon so interessant daran. Nun ja, so dachte ich anfangs auch, aber als ich ein paar Wochen in Thailand gefahren bin, musste ich sehr schnell feststellen, dass hier vieles anders läuft, als im deutschen Straßenverkehr. Der thailändische Fahrstil ist zwar halbwegs diszipliniert, aber es gilt mit fast allen Mitteln im Verkehrschaos schnell voranzukommen, ohne allzugroße Rücksicht auf die Mitmenschen, die ja auch nichts anderes im Sinn haben. So muss man z. B. auf andere Verkehrteilnehmer besonders aufpassen.

Allgemeines zum Autofahren in Thailand
Der wichtigste Unterschied zu Deutschland: In Thailand wird links gefahren und von beiden Seiten überholt. Seit Anfang 1998 gilt in Thailand die Anschnallpflicht. Der Fahrer und der Beifahrer müssen sich anschnallen, die Mitfahrer auf den Rücksitzen sind von der Regel ausgenommen. Ein Aufblenden der Scheinwerfer bedeutet nicht, dass der andere euch den Vortritt lässt, sondern heisst im Gegenteil soviel wie, hier komme ich. Auch das Hupen wird eher als Aufmerksamkeitssignal eingesetzt und beim Überholen angewendet, auch wenn es mal eng wird.
Andere Verkehrteilnehmer
Taxifahrer fahren gern und oft mit erhöhter Geschwindigkeit auf den Schnellstrassen (Highways) – in Thailand ist eigentlich nur bis 90 km/h erlaubt – genauso wie die kleinen klimatisierten VIP-Busse, welche bis unter das Dach voll mit Passagieren sind. Da wird auch gern mal ein überholendes Auto überholt. Da kommt man als Fahrgast, trotz Klimaanlage, schnell ins schwitzen und als Autofahrer muss man besonders aufpassen. Hier gilt das Motto, Zeit (und viele Passagiere) ist Geld.
Dann gibt es noch die Tuk-Tuks, so benannt nach den Geräuschen eines Zwei-Takt-Motors, die man in fast jeder Stadt findet. Auf Tuk-Tuk-Fahrer, wie auch auf Fahrradtaxis muss man im thailändischen Straßenverkehr ebenfalls besonders aufpassen. Normalerweise fahren Tuk-Tuks und Fahrradtaxis auf der linken Seite – in Thailand gilt Linksverkehr – doch fährt man hinter einem, kann es oft passieren, dass der Fahrer ausschwenkt, ohne vorher in den Rückspiegel zu schauen, wenn er überhaupt einen hat. Dem Fahrer interessiert es nicht, ob jemand hinter ihm fährt. Also Vorsicht!
Dann gibt es noch die Motorradfahrer. Das Motorrad gehört in Thailand immer noch zum häufigsten Transportmittel und so kann es sehr schnell passieren, dass man an der Ampel auf einmal zwischen 20-30 Motorrädern steht. Da wird von allen Seiten überholt und beim Abbiegen muss man immer in beide Rückspiegel schauen. Auch wenn die Lücke noch zu klein ist, es wird sich vorbei geschlängelt. Oft kommt einem ein Motorrad entgegengefahren, nur weil er schneller an sein Ziel kommen will, also quasi ein Geisterfahrer. Das beobachte ich oft bei Einbahnstraßen und bei Straßen mit Trennstreifen ohne Überquerungsmöglichkeit. Auch rote Ampeln werden bei freier Fahrt gern ignoriert, obwohl es dafür in Thailand eine Geldstrafe gibt.
Tierische Verkehrsteilnehmer
Vorsicht vor Hunden. In Thailand laufen viele Hunde frei rum. In ländlicheren Gegenden sind es Rinder und Kühe, die auf der Straße spazieren gehen. Zäune wie man sie in Deutschland kennt, gibt hier nicht.
Führerschein
Man benötigt in Thailand eigentlich den internationalen Führerschein, den man sich in Deutschland bei der Polizei oder Führerscheinstelle ausstellen lassen kann. Nehmt am Besten auch den Reisepass mit, denn falls ihr einen Unfall habt, kann euch das viel Zeit mit der Polizei ersparen. Einen thailändischen Führerschein kann man auch ohne Probleme machen, bzw. den internationalen Führerschein umschreiben lassen, wenn man ein Non-Immigrant-Visum hat.
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Doch wie sieht es bei den Thailändern aus? Einmal antwortete mir ein Thai auf die Frage nach seinem Führerschein, ob ich dumm wäre, wozu braucht er einen Führerschein, wenn er bei einer Kontrolle nur 200 Baht (ca. 4 Euro) bezahlen muss. Und so denken viele Thais. Da fährt z. B. der 10 jährige Sohn seinen betrunkenen Vater nach Hause und die Polizei sagt noch, das sei die beste Lösung, gut gemacht.
Alkohol am Steuer
Bisher gibt es keine Vorschriften für Promillegrenzen in Thailand. Der Gesetzgeber schreibt nur Fahrtüchtigkeit vor. Und das nehmen die Thais wörtlich. Da gibt es einige, die fahren noch mit 10 Bier und 10 Whiskey, da sie schließlich noch fahrtüchtig sind.
Unfall
Sollte man in einem Unfall verwickelt sein, auch wenn man unschuldig ist, gibt es in ganz Thailand eine etwas eigenartige Auffassung. Es läuft nach dem Prinzip: Wenn der Ausländer nicht in das Land gekommen wäre, dann wäre der Unfall auch nicht passiert. Also ist der Ausländer schuld. Dieser Logik, der man sich kaum entziehen kann, unterwerfen sich auch Polizisten, wenn es um die Klärung der Schuldfrage geht. Ziel ist es letztendlich dem Ausländer Geld aus der Tasche zu ziehen. Bei Personenschäden muss der Schuldige bis zu 200.000 Baht Entschädigung an das Opfer bzw. Angehörigen bezahlen. Die genaue Summe hängt vom Grad der Verletzung ab.
Benzinpreise
Die Benzinpreise sind, wie in Deutschland auch in Thailand gestiegen. So bezahlt man zur Zeit für eine Liter Diesel um die 45 Baht. Wer also vor hat mit dem Auto durch Thailand zu fahren, sollte das bei der Urlaubskalkulation mit berücksichtigen. Getankt wird übrigens nicht selbst. Das macht ein Tankwart für euch. Also Scheibe runter und anssagen, für wie viel Geld ihr Benzin haben wollt.
Fazit
Es gibt sicherlich noch viel mehr zu schreiben. Jeder wird seine ganz eigenen Erfahrungen machen. Die thailändische Fahrweise ist nicht jedermanns Sache und der Verkehr in Thailand ist wirklich nicht zu unterschätzen. Hinzukommt, dass man sich am Anfang natürlich noch nicht zu gut in der Gegend auskennt. Besonders in Bangkok muss man wirklich aufpassen.
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